Ideen für die Zukunft von Essen: Interview mit Richard Röhrhoff

9. März 2020
© Ralf Schultheiß

Essen als lebenswerte Stadt, die sich vom Image der Stadt mit Kohle und Stahl gelöst hat. So sieht das neue Marketing-Konzept Essen in zehn Jahren. Grundlage des entwickelten Konzeptes sind die Qualitative Markenkernanalyse des Rheingold Instituts Köln aus Sommer 2019, die durch eine Online-Befragung der Stadt Essen ergänzt wurde. offguide hat mit Richard Röhrhoff, Geschäftsführer der EMG – Essen Marketing, GmbH, gesprochen.

Erstmalig fokussiert die Stadt Essen ihre Marketingaktivitäten mit dem Ziel einer auf Zielgruppen ausgerichteten Strategie. Warum?

Zum einen wurde die EMG vom Rat der Stadt damit beauftragt. Zum anderen liegt uns als Stadtmarketingunternehmen das Ziel dieser Strategie sehr am Herzen, nämlich die positive Wahrnehmung der Stadt erheblich zu steigern, den Wirtschafts- und Messestandort zu stärken und den Tourismus zu fördern.

Die Ergebnisse der Rheingold-Studie beinhalten qualitative Aussagen der Befragten in Hinblick auf Image, Wohlfühlfaktor und wichtige Leitthemen von Essen. Was wünschen sich die Befragten?

Die Essenerinnen und Essener wünschen sich mehr Anerkennung der Stadt von außen. Dies gilt für das hohe kulturelle Angebot und das viele Grün, über das die Stadt verfügt, aber auch für die hohe Integrationsleistung, die im »Schmelztiegel der Kulturen« von ihnen erbracht wurde. Zudem äußerten viele Befragte, dass sie das Bedürfnis nach identitätsstiftenden Projekten oder Veranstaltungen, insbesondere in der Innenstadt haben und die vorhandenen Potenziale der Stadt ausgeschöpft sehen möchten.

Wie wollen Sie Bürgerinnen und Bürger stolz machen und dafür sorgen, dass mehr Ambition innerhalb der Stadt und neue Impulse von außen kommen?

Unsere Aufgabe ist es, die Stärken und Potenziale der Stadt auf allen Ebenen aktiv zu verkaufen. Essen ist derzeit noch zu viel Hidden und zu wenig Champion, das wollen wir ändern.

Welche sind für Sie die zentralen Faktoren für eine vitale und funktionierende Innenstadt?

Die Innenstadt muss eine emotionale Mitte sein, ein Ort des Verweilens und des Miteinanders. Das heißt, dass sie mehr bieten muss, als nur Shoppingmöglichkeiten, denn das ist mittlerweile auch im Netz möglich. Attraktive Veranstaltungen, wie zum Beispiel ESSEN ORIGINAL, das Essen Light Festival oder der bald kommende Feierabendmarkt bieten so einen Rahmen, damit die Menschen zusammenkommen, gemeinsam feiern und ein »Wir-Gefühl« entsteht.

Welche weiteren Themenfelder leitet die EMG aus den Ergebnissen der Studien für das Essener Stadtmarketing ab?

Neben dem Standortvorteil ihrer Zentralität sind das vor allem der Kulturstandort, die Wandlungskompetenz und der durch die »Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017« symbolisierte Aufbruch, der die Stadt aus dem Strukturwandel heraus führt.

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