Wie Restaurants mit den neuen Lockerungen umgehen

15. Juni 2020

Als Essener Stadtmagazin interessieren wir uns dafür, wie es den Läden in Essen gerade geht. Wir fragen uns: Wie gehen sie mit den neuen Lockerungen um? Was mussten sie verändern, um wieder öffnen zu dürfen? Wie werden die getroffenen Maßnahmen angenommen? Wir befragen daher einige Essener*innen aus Einzelhandel und Gastro, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben.

Mercedes Zelin vom Burgerheart

Mercedes Zelin hat das Burgerheart in Essen-Rüttenscheid im Frühling 2018 eröffnet. Seitdem ist der Burgerladen nicht nur für abwechslungsreiche Burger aus fleischigen und veganen Kreationen, ausgefallene Sides, knackige Salate und ein vielfältiges Getränkesortiment in stylischer Atmosphäre bekannt, sondern auch für die Initiative beyondheart. In Zusammenarbeit mit den Hilfsorganisationen Welthungerhilfe und Kindernothilfe unterstützt Burgerheart mit jedem verkauften Burger einen Menschen in Not mit einer Mahlzeit. Nach coronabedingter Schließung, konnten Mercedes und ihr Team ihre Flexibilität unter Beweis stellen und schnell auf täglichen Abhol- & Lieferservice umstellen, sowie den neuen Webshop launchen.

Wie geht es dir und deinem Team?

Auch für uns als Gastronomen waren die vergangenen Monate sowie die damit verbundenen Umstände und die geschäftliche Belastung sehr nervenaufreibend. Wir mussten bereits hohe Umsatzeinbußen verzeichnen, was sich selbstverständlich maßgeblich auf unser Burgerheart auswirkt. Das geht nicht spurlos an uns vorüber, wichtig ist aber, dass alle gesund sind und wir weiterhin zusammen halten und nun auch endlich wieder unsere Gäste im Laden und auf der Terrasse mit Burgern versorgen dürfen.

Sind die Massnahmen für euch umsetzbar? Was musstet ihr verändern, um das Burgerheart wieder öffnen zu dürfen?

Die Maßnahmen sind für alle neu und ungewohnt, aber dennoch umsetzbar. Hinzu kommt der enorme Mehraufwand der durch die zusätzlichen Hygienemaßnahmen entsteht. Unser Team gibt täglich alles um den neuen Hygienevorschriften und Mindestabständen zu jedem Zeitpunkt gerecht zu werden – dies dient zum Schutze aller. Unseren Gästen, sowie auch unserem Team.

Wie läuft es seit der Wiedereröffnung?

Wir konnten im Shutdown unsere Flexibilität unter Beweis stellen und schnell auf täglichen Abhol- & Lieferservice umstellen, sowie unseren neuen Webshop launchen. Nicht zuletzt ist dies auch unserem mega engagierten Team zu verdanken, welches bereitwillig Servicetablett gegen Lieferauto getauscht hat. Ohne den starken Zusammenhalt wäre dies nicht so unkompliziert und schnell umsetzbar gewesen. Die Wiedereröffnung empfinden wir als große Erleichterung, denn Burgerheart steht nicht nur für leckere Burger und verschiedene Frittenvariationen, sondern auch für einen Wohlfühlort an dem man sich mit Freunden und Familie trifft.

Wie werden die getroffenen Maßnahmen angenommen? Halten sich die Gäste daran?

Bisher hatten wir großes Glück und all unsere Gäste nehmen die Maßnahmen ernst und Rücksicht aufeinander. Schön zu sehen, dass in dieser außergewöhnlichen Zeit alle an einem Strang ziehen.

Was stimmt euch optimistisch?

Optimistisch und positiv stimmt uns die Treue unserer Gäste. Ohne deren Unterstützung und die rege Inanspruchnahme unseres Liefer- & Abholangebotes während des Shutdowns, hätten wir uns vermutlich nicht über Wasser halten können. Diesen Support wünschen wir auch anderen Gastronomen in dieser Zeit.

Jule Witte und Daniel Schiffer vom SCHIFFERS

© privat

Daniel Schiffer betreibt zusammen mit Jule Witte und Team das SCHIFFERS im Herzen von Essen-Werden. Nach coronabedingter Schliessung im Rahmen des Lockdowns, trauten sie sich den Restart am 19. Mai mit einem wohl durchdachten Konzept unter korrekter Einhaltung der Vorgaben. Mit einem Konzept, das – sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch unter den notwendigen Sicherheitsaspekten – umsetzbar ist. Und darüberhinaus noch für eine angenehme Restaurantatmosphäre sorgt.

Wie geht es euch und eurem Team?

Uns geht es gut; wir sind froh wieder arbeiten zu können und ein bisschen Normalität für uns, sowie für die Gäste zurück zu gewinnen.

Sind die Massnahmen für euch umsetzbar? Was musstet ihr verändern, um für Gäste wieder öffnen zu dürfen?

Wir haben eine Woche später gestartet, da wir die Maßnahmen in Eigenregie umgesetzt haben. An einigen Tischen im Innenbereich sind nun Plexiglasscheiben montiert; andere Tische stehen mit dem vorgegebenen Abstand auseinander. Für die Terrasse haben wir »Spuckschutzwände« aus Europaletten gebastelt. Bei allen Maßnahmen war uns wichtig, dass der Charme der alten Gemäuer nicht verloren geht. Das ist uns auch gut gelungen. Atmosphäre beim Essen ist wichtig; die Gäste sollen sich ja nicht fühlen wie in einer sterilen Arztpraxis.

Wie läuft es seit der Wiedereröffnung?

Im Grunde lief es vom ersten Tag der Wiedereröffnung gut. Wir haben das große Glück, viele Stammgäste zu haben. Scheinbar haben sie uns vermisst und waren sofort wieder da. Im Innenbereich haben wir jedoch die Hälfte der Plätze verloren. Der Laden ist zwar meist voll, aber eigentlich ja nur halb voll. Leider müssen wir Gäste oft wegschicken.

Wie werden die getroffenen Maßnahmen angenommen? Halten sich die Gäste daran?

Unseren Gästen bleibt ja nichts anderes übrig als die Maßnahmen zu akzeptieren. Daher tun sie das natürlich. Anfangs musste man einiges erklären, aber inzwischen wissen (fast) alle, wie das »Prozedere« im Restaurant läuft.

Was stimmt euch optimistisch?

Uns stimmt die schwindende Zahl an Neuinfektionen optimistisch und wir hoffen natürlich, dass das so bleibt oder das Virus im besten Fall ganz verschwindet. Eventuell kann dann über weitere Lockerungen in der Gastronomie nachgedacht werden.

Afshin Sadaghiani von der Rüttenscheider Hausbrauerei

Afshin Sadaghiani betreibt die Rüttenscheider Hausbrauerei – das einzige Brauhaus mit angeschlossener Gastronomie in Essen im Herzen von Rüttenscheid. Zusammen mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Farhad Tabrizi hat er die Hausbrauerei im Oktober 2012 übernommen und dem Gasthaus neues Leben eingehaucht – dementsprechend gebraut werden neben einem hellen, untergärigen Kellerbier und einem dunklen, obergärigen Weizenbier seitdem auch saisonal wechselnde Biere. In den großen, urig eingerichteten Gasträumen und dem geöffneten Biergarten wird das Bier auf traditionelle Art aus Eichenholzfässern ausgeschenkt – oder ihr ordert euch ein Fässchen zum selber zapfen an den Tisch. Für den Hunger gibt es hauseigene Versionen von vielfältigen Klassikern. Alles frisch. Alles lecker. Alles bewusst: Das Team um Afshin legt bei den Zutaten Wert auf regionale Produkte, schonende Verarbeitung und einen vernünftigen Umgang mit der Umwelt.

Wie geht es dir und deinem Team?

Nicht gut. Ich habe leider 12 Mitarbeiter kündigen müssen. Nach acht Wochen Schliessung waren mir die Hände gebunden. Ich habe es mit
einem Außerhausverkauf versucht, doch leider geht das Konzept für unser Brauhaus nicht auf.

Sind die Massnahmen für euch umsetzbar? Was musstet ihr verändern, um die Rüttenscheider Hausbrauerei wieder öffnen zu dürfen?

Ja, die Verordnungen vom Land haben wir selbstverständlich umgesetzt. Wir haben dadurch etwa 200 Sitzplätze verloren, haben aber immer noch ca. 90 Plätze im Inneren und etwa 100 Sitzplätze im Biergarten.

Wie läuft es seit der Wiedereröffnung?

Einige Stammgäste kommen noch, wenn das Wetter schön und warm ist, und sie im Biergarten sitzen dürfen. Viele von denen haben einfach noch Angst sich in geschlossenen Räumlichkeiten aufzuhalten.

Uns bleiben zudem die Geschäftskunden, Messegesellschaften, Firmenfeiern und geschlossene Gesellschaften weg, die bis zu 80 % unserer Haupteinnahmen ausgemacht haben.

Wie werden die getroffenen Maßnahmen angenommen? Halten sich die Gäste daran?

Mit gemischten Gefühlen. Natürlich gibt es immer mal Personen, die etwas zu meckern haben. Im Großen und Ganzen halten sich die Gäste jedoch daran und wir als Team achten auch darauf!

Wie sieht euer Blick in die Zukunft aus?

Düster. Wir haben seit der Wiedereröffnung aufgrund der Verordnung weniger als die Hälfte unserer Plätze zur Verfügung. Außerdem habe ich erfahren, dass Großveranstaltungen in der Messe Essen bis September abgesagt worden sind. Dadurch werden wir 50 % unserer Einnahmen verlieren.

Außerdem sind keine Betriebsfeiern und Abteilungsessen möglich. Hierdurch verlieren wir weitere 20 bis 30 % der Einnahmen. Mit den Stammgästen und normalen Laufgästen machen wir im Schnitt etwa 20 bis 30 % unseres Jahresumsatzes. Nun werden auch aus uns bekannten Gründen weniger Stammgäste kommen. Somit rechnen wir mit etwa 10 bis 20 % des Umsatzes in den nächsten Monaten. Wie ist dann ein Überleben mit den fixen Kosten möglich? Mit einem Hilfspaket, welches von Wirtschaftsminister Altmeier Anfang April angekündigt wurde, habe ich gerechnet. Leider Pustekuchen! In den Bundestagsbeschlüssen kommt die Gastro-Branche gar nicht vor. Wir werden einfach alleine gelassen. Unsere Branche mit 190.000 Restaurants, 1,5 Million Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 51 Milliarden Euro wird einfach ignoriert.

Was stimmt euch optimistisch?

Ein Impfstoff, ein normales Leben und normale Geschäftsbedingungen.

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