contemporary art ruhr

Die Macher der C.A.R. im Interview

Von CM in Shopping am 01.05.2017

Die C.A.R., veranstaltet im Frühling 2017 die Medienkunstmesse & Foto-Special auf dem UNESCO-Welterbe in Essen. Wir trafen die Initiatoren und Veranstalter Silvia Sonnenschmidt und Thomas Volkmann …

Die Macher der C.A.R. im Interview

Wo steht die schönste Zeche der Welt? Im Ruhrgebiet, und ihr Name ist Zollverein. Zeitgenössische Medien und der aktuelle Kunstbetrieb treffen inmitten der Industriearchitektur aufeinander: Die contemporary art ruhr, C.A.R., veranstaltet im Frühling 2017 die Medienkunstmesse & Foto-Special auf dem UNESCO-Welterbe in Essen.

Wir trafen die Initiatoren und Veranstalter Silvia Sonnenschmidt und Thomas Volkmann …

Frau Sonnenschmidt und Herr Volkmann, Sie leben und arbeiten im Herzen des Ruhrgebiets. Was verbindet Sie mit der Region?

Wir sind beide hier aufgewachsen. Uns ist wichtig, nicht an die Klischees, die mit dieser Region häufig noch verbunden sind, anzuknüpfen. Wir versuchen zeitgemäße, neue Strömungen zu unterstützen und nach vorne zu blicken. Die ganze Region ist in einem unglaublichen Wandlungsprozess, der noch 30, 40 Jahre anhalten wird. Das ist das Spannende: Die Veränderung.

Wo liegen Ihre Wurzeln im Kunstbetrieb?

T. Volkmann: Ich habe 1983 angefangen, als Künstler, Maler und Designer zu arbeiten; ich fasse den Begriff des Künstlers als Crossover auf. 1986 habe ich meine erste eigene Galerie eröffnet. 

S. Sonnenschmidt: Ich habe Kunstgeschichte studiert, parallel haben wir unsere gemeinsame Galerie eröffnet; dann habe ich an Museen und zehn Jahre im Bereich Design und Designförderung gearbeitet. 

Wie kamen Sie auf die Idee eine Kunstmesse zu initiieren?

T. Volkmann: In unserer Region, in der viele Galerien abwanderten, wurde uns klar, dass diese Dauerpräsenz für uns nicht mehr sinnvoll ist und wir mit temporären Veranstaltungen in die Zukunft gehen wollen.

S. Sonnenschmidt: Irgendwann stand bei uns beiden die Frage im Raum, warum gibt es hier eigentlich keine Kunstmesse?!

Die contemporary art ruhr, genannt C.A.R. findet an zwei Terminen statt – jetzt im Frühjahr als Medienkunstmesse und im Herbst als Messe für zeitgenössische Kunst im Allgemeinen. Warum haben Sie diese beiden Bereiche voneinander getrennt?

Wir haben 2006 das Format mit dem Namen »Forum« ins Leben gerufen, um Medienkunst einen eigenen Rahmen der Präsentation zu ermöglichen. Die Foto-Kunst haben wir von Anfang an dazu gezählt. 

Wir möchten heutige Möglichkeiten der künstlerischen Auseinandersetzung, neue Techniken, Darstellungs- und Ausdrucksformen zeigen und mit dazu beitragen, die Akzeptanz zu erhöhen. 

Mittlerweile kann fast jede Kamera Videos aufnehmen, und Künstler, die jetzt von den Hochschulen kommen, nehmen das auch wahr. Was kann die Sommer-C.A.R. leisten, um Medienkunst greifbarer zu machen?

Die Veranstaltung zeigt von Klang- und Lichtkunst bis hin zu Videoarbeiten, Fotografie und Installationen ein vielseitiges Spektrum, regt zum Experimentieren an, inspiriert, beispielsweise in Jam-Sessions, bei Performances oder Künstlergesprächen, und bietet eine Plattform für den interdisziplinären Austausch. 

Der direkte Kontakt zwischen künstlerischem Werk und seinen Produzenten macht Medienkunst für Besucher auf der C.A.R. buchstäblich greifbar. 

Die Vielfalt der gezeigten Arbeiten rückt den spielerischen, aktuellen, lebendigen, oft auch witzigen Hintergrund in den Vordergrund.

Wie gelingt es Ihnen, ein Publikum für innovative Kunst ansprechen und erreichen zu können?

Die C.A.R., die sich an ein junges, kunstintere-ssiertes Publikum genauso wendet wie an den angehenden oder bereits erfahrenen Kunstsammler präsentiert Kunst, die überraschend, unverwechselbar und auch bezahlbar ist. 

Mit ihrem offenem Ausstellungskonzept des open space, man kann um jeden Stand herumgehen, und ohne klassische Messekojen, die Barrieren bilden, fördert die C.A.R. als innovative Kunstschau und Verkaufsmesse die Kommunikation zwischen Besuchern, Künstlern und Ausstellern.

Jeder, der Interesse an zeitgenössischer Kunst hat, kann in der offenen Ausstellungssituation leicht ins Gespräch kommen, sich von dem vielfältigen Angebot inspirieren lassen und Kunst kaufen.

Werden es vor allem Galerien aus der Region Ruhr sein, die auf der C.A.R. ausstellen?

Wir zeigen seit elf Jahren jedes Jahr eine pulsierende Mischung aus aller Welt und es sind auch immer Galerien, Kunstprojekte und Künstler aus der Region vertreten.

In 2017 findet die Veranstaltung wieder in den Räumen der Mischanlage statt. Worauf können sich Besucher einstellen?

Auf eine einzigartige Veranstaltung jenseits all dessen, was den sogenannten »White Cube« ausmacht (der Ausstellung in weißen Räumen, Anm. d. Red). Veranstaltungsort in diesem Jahr ist erstmalig wieder seit 2012 die Mischanlage der Kokerei, in der ehemals Kohle für die Koksproduktion gemischt wurde. 

Heute ermöglichen die durchbrochenen Wände der imposanten Kohlebunker aus Beton und eingezogene Zwischenböden nicht nur faszinierende Ein- und Durchblicke, sondern eine außergewöhnliche Interaktion in der Präsentation zeitgenössischer Kunst auf vier Ebenen. 

Wie bewältigen Sie die Schnittstelle zwischen Kunst und Kommerz?

Von Anfang an haben wir mit verschiedenen Unternehmen zusammengearbeitet. Wir haben ein kommerzielles System der Standvermietung, das fair sein möchte und besonders günstige Konditionen anbietet, damit nicht das Budget über eine Teilnahme entscheidet. Und daneben bieten wir Programme und Formate für Nachwuchskünstler an, die noch keine Galerievertretung haben und am Anfang ihrer Karriere stehen. Durch unsere Partner und Sponsoren erreichen wir eine für die Veranstaltung wichtige Unabhängigkeit in der Entscheidung, Entwicklungen aufzuzeigen und einzelne Positionen, Kunsthochschulen und auch neue Talente zu zeigen. So kamen bereits viele Zusammenarbeiten zustande und Galerien oder Künstler wurden auf der C.A.R. entdeckt.

Inwiefern ist der Dialog zwischen Künstler und Betrachter ein wichtiger Faktor im Messe- und Ausstellungskonzept der verkaufsorientierten Kunstmesse?

Der Dialog zwischen Künstler und Besucher ist ein sehr wichtiger Faktor! Die vielfach existierenden Schwellenängste und elitären Rahmenbedingungen möchten wir mit den Veranstaltungen der C.A.R. aufbrechen. 

Wo möchten Sie mit der C.A.R. in fünf Jahren sein?

Wir möchten nicht immer größer, immer weiter … wir möchten an den Feinheiten arbeiten, offen sein. Alles ist getragen von einer großen Leidenschaft und das soll weiterhin so bleiben!

Interview: Christiane Mihoci

Foto: Thomas Volkmann

Weitere Infos: contemporaryartruhr.de




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