Atelier, Label, Experimentierstube und Präsentationsraum für Kunst

JesusChris

Von CM in Service am 27.04.2018

Der Offspace startete gleichermaßen als Atelier, Label, Experimentierstube und Präsentationsraum für Kunst im weiten Sinne. Wir trafen die Kuratoren und Kommunikationsdesigner Jesus und Chris.

JesusChris lautet der Name für die lockere und lebendige Version einer Galerie durch die beiden Namensgeber Jesus Lopez und Chris Brackmann, welche im März 2017 im Essener Südviertel Eröffnung feierte. 

Der Offspace startete gleichermaßen als Atelier, Label, Experimentierstube und Präsentationsraum für Kunst im weiten Sinne. Wir trafen die Kuratoren und Kommunikationsdesigner Jesus und Chris.

Hallo Jesus und Chris, mit JesusChris wollt ihr eure Vorstellung eines kreativen Melting Pot etablieren. Was hat euch zu diesem Schritt bewogen?

JesusChris ist unser ganz eigener Versuch den Künstler in uns zu befreien. Vor Jahren waren wir beide an dem Wendepunkt die Wahl zwischen Design oder Kunst treffen zu müssen und haben uns für das Designstudium und gegen eine vermeintlich ungesicherte Existenz entschieden. Zahlreiche kreative Dienstleistungen und mitunter auch nervige Projekte später wurde uns klar, dass wir endlich wieder Kunst machen wollten. Darum arbeiten wir im Designbereich in kreativer Bürogemeinschaft und »belohnen« uns - und viele andere - parallel mit Kunst, die wir in unseren Räumen ausstellen. Unsere Leidenschaft sind Werke mit möglichst grosser Bandbreite. Kunst aktiviert die Lebensgeister ungemein, zumal in solch einer großartigen Umgebung wie dem Südviertel.

Neben Lesungen und Konzerten im kleinem Rahmen, präsentiert ihr bei euren Ausstellungen einzelne Bereiche der Kunst, die häufig für sich stehen. Nach welchen Kriterien sucht 
ihr Künstler aus?

Wichtig bei der Auswahl sind uns Authentizität und eine gewisse unprätentiöse Unkompliziertheit der Künstler - die im Übrigen meist von allein auf uns zukommen. Neben der Qualität der Arbeit sollte vor allem die zwischenmenschliche Ebene stimmen um die Ausstellung gemeinsam und mit Spaß zu realisieren.

Daneben erhält ein Werk für uns erst dann Bedeutung, wenn sich möglichst viele Menschen damit auseinander setzen, auch wenn es nicht gefällt. Im vergangenen Jahr haben wir es geschafft 300 Leute zu einer Ausstellungseröffnung zu bewegen. Das war toll und fühlte sich gut an. Wenn nach solch einem Abend auch weniger kunstaffine Besucher weitere Ausstellungen besuchen, eventuell sogar ein Werk kaufen, haben wir unser Ziel doch schon erreicht!

Auf eurer Webseite bezeichnet ihr euch selbstironisch als Kunstbanausen – Seit wann interessiert ihr euch für Kunst?

Die provokante Formulierung ist natürlich augenzwinkernd gemeint. In der Tat sind wir als Gestalter nicht ganz unbedarft und können dank langjähriger Berufspraxis auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Kommunikationsdesign und Kunst sind dennoch zwei komplett unterschiedliche Themen. Das durften wir seit der Eröffnung von JesusChris wiederholt feststellen. Nicht selten ertappen wir uns dabei  ein Werk nach Kriterien der Dienstleistungsqualität zu  bewerten, was dem Ganzen natürlich nicht gerecht wird. Andererseits - wenn ein Werk Finesse und handwerkliche Eleganz vermissen läßt, dann ist es uns eigentlich auch egal, wenn es woanders gehypt wird … wir sind da eigen.

Seit neuestem bietet ihr nach offizieller Eröffnung der Ausstellung eine Art offene Diskussionsrunde an, den sogenannten Salon … 

Wenn zu einer Eröffnung 300 Leute auf engen Raum zusammen kommen, wird es schnell rummelig und die Ausstellung wirkt dann mitunter wie die Kulisse für eine kunstorientierte Party. 

Dabei sind unter den Besuchern immer auch geneigte Interessenten, denen diese Atmosphäre in Zusammenhang mit dem Werk einfach unpassend erscheint. Denen möchten wir mit dem neuen Format einen ernsthafteren Diskurs zwischen Werk, Künstler und Betrachter ermöglichen. Ohne Andrang darf es dabei in lockerer, wohnzimmerartiger Atmosphäre auch gerne mal hitzig zur Sache gehen. Das ist spannend und wertet die laufende Ausstellung enorm auf!

Am 11. Mai ist die Ausstellung »Painted In Blood« zu Gast. Was zeigt ihr Schockierendes?

»Painted In Blood« beweist, dass die Zeiten der unfreiwillig komischen Artworks von Iron Maiden, Motörhead und Co aus den 80ern glücklicherweise – oder auch leider - vorbei sind. Die gemeinsame Ausstellung von Jan Meininghaus, Thomas Ewerhard und Björn Gooßes lief übrigens Anfang des Jahres mit großem Erfolg in der Sold Out Gallery in Bochum. Die aktuellen Werke dieses Genres sind schon ein anderes Kaliber und vermutlich für Kinder ungeeignet. Nichtsdestotrotz freuen wir uns schon darauf!

Welche weiteren Künstler erwarten die Besucher eurer Galerie darüber hinaus?

Nach den »Heavys« kommt Jens Hunger aus Berlin, ein liebenswert schräger Typ mit Wurzeln in der Urban Art. Im August zeigen wir Alexander Heckerts »Pop-Amok« und nach den Sommerferien wird Dieter Braun aus Hamburg - ein Ex-Kommilitone von Chris - uns die Ehre erweisen. Der ist nicht nur ein begnadeter, sondern mittlerweile auch recht bekannter Zeichner und Illustrator. Wir sind quasi bis September ausgebucht und abseits dessen auch noch an etwas wirklich Großem dran. Außerdem arbeiten wir mit Hochdruck an unserem eigenen Kunstformat. Damit wollen wir künftig noch ein wenig mehr »Leben in die Bude bringen«. Mehr wird noch nicht verraten!

Interview: Christiane Mihoci

11.05.2018, 19:00  - Ewerhard, Gooßes, Meininghaus | Painted In Blood
JesusChris Witteringstrasse 83, 45130 Essen
Weitere Infos: jesuschris.de



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