Fast 50 Jahre VKJ

Interview mit Frank Müller

Von CM in Service am 31.08.2017

Was als kleines Projekt mit Ehrenamtlichen begonnen wurde, ist mittlerweile zu einer festen Größe in der Soziallandschaft unserer Stadt herangewachsen.

Das Ziel war und ist es, jedem Kind die gleichen Zukunftschancen zu ermöglichen. Wir befragten Frank Müller, 1. Vorsitzender des VKJ.

Was macht Spaß daran, Vorsitzender des VKJ zu sein, was macht dieses Ehrenamt besonders?

Es macht vor allem Spaß, weil wir so viele tolle und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Wir sind eine große Familie. Wir ziehen alle an einem Strang und haben ein Ziel. Jeden Tag die Welt für die Kinder ein wenig besser und gerechter machen. Wir wollen die gleichen Zukunftschancen für alle Kinder; unabhängig von dem Geldbeutel oder der Herkunft der Eltern.

Die Unicef stellt den Weltkindertag unter das Motto »Kindern eine Stimme geben«. Wie gelingt es Ihnen für Kinder und Jugendliche in Essen gute Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen?

Indem wir Kinder und Jugendliche mit ihren Bedürfnissen ernst nehmen. Sie  sind keine Objekte. Sie sind Subjekte und kleine Persönlichkeiten mit eigenen Ansichten, Wünschen und Träumen. Wir bestärken Kinder darin sich frei zu entfalten und ihre Wünsche selbstbewusst zu formulieren.

Neben Kitas, Jugendeinrichtungen und Familienbildung – Sehen Sie noch weitere Schwerpunkte für die Arbeit des VKJ?

Wir engagieren uns auch auf dem Feld des Generationenwohnens. Das Tanja-Ubländer-Haus, benannt nach einer vor acht Jahren viel zu früh verstorbenen Mitarbeiterin, liegt direkt neben unserem Kinderhaus der Kleinen Füße in Freisenbruch. Darüber hinaus ist für uns die Arbeit mit Flüchtlingsfamilien ein wichtiges Feld. Und zuletzt sehen wir die Stadtteilarbeit als wichtigen Bestandteil unseres ganzheitlichen Ansatzes.

Wie würden Sie die aktuelle Situation benachteiligter Kinder in Essen beschreiben?

Häufig leben sie unter dem Radar. Armut bedeutet bei uns nicht das gleiche wie an anderen Orten. 
Und deshalb wird sie von der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen. Mit ernsten Folgen für die Betroffenen. Materielle Armut führt zu mangelhafter Teilhabe und oft auch zu Scham oder Stigmatisierung. Aber am schlimmsten ist es, dass benachteiligte Kinder nicht die gleichen Chancen bekommen. Immer noch bestimmt der Hintergrund der Eltern den Bildungserfolg der Kinder.

Was kann ein Weltkindertag bewirken?

Er sorgt für Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema und das Anliegen unserer Kinder. Er bewirkt einen oder hoffentlich auch mehre Momente des Nachdenkens.

Die Stadt Essen hat seit vielen Jahren den Slogan »Essen. Großstadt für Kinder«. Bemüht sich die Stadt ausreichend um ihre Kinder und Jugendlichen?

Ja und nein. Zum einen sind in den letzten Jahren wichtige Dinge passiert. Der Kita-Ausbau schreitet voran und der Rat hat mehr Geld für Kinder und Jugendliche beschlossen. Und dennoch muss man so unendlich mehr tun. 

Mehr Schulsozialarbeit zum Beispiel, den Ausbau von Präventionsketten und die Möglichkeit zu mehr Teilhabe. Die Stadt ist da auf dem Weg. Aber einiges könnte durchaus schneller vorangehen. Der Fairness halber muss man aber auch sagen, dass da aber auch das Land und der Bund ins Spiel kommen, von dem ich deutlich mehr Engagement erwarte.

Was war der bislang wichtigste Erfolg in Ihrer Zeit als Geschäftsführer?

Da kann und will ich mich gar nicht festlegen. Wir müssen jeden Tag erfolgreich sein. Zum einen im Interesse unserer Kinder, Jugendlichen und Familien. Und nicht zuletzt auch im Interesse unserer mittlerweile mehr als 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, denen wir gute und zukunftssichere Jobs bieten wollen. Ich bin einfach unheimlich stolz auf und dankbar für das, was wir als Verein in den letzten Jahrzehnten erreicht haben.

VKJ, Verein für Kinder- und Jugendarbeit 
in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V.
Brunnenstraße 29, 45128 Essen
Weitere Infos: vkj.de










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