Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017

Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017 – Ralph Kindel

Von CM in Service am 01.07.2016

2017 ist Essen Grüne Hauptstadt Europas. Wir sprachen mit Ralph Kindel, Leiter des Projektteams »Grüne Hauptstadt Europas - Essen 2017«.

Der Titel Umwelthauptstadt Europas oder Grüne Hauptstadt Europas wird jährlich von der Europäischen Kommission an eine Stadt in Europa verliehen, der es in besonderer Weise gelungen ist, Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum zu einer hervorragenden Lebensqualität ihrer Einwohner zu verbinden. 2017 ist Essen Grüne Hauptstadt Europas. Wir sprachen mit Ralph Kindel, Leiter des Projektteams »Grüne Hauptstadt Europas - Essen 2017«. 

Herr Kindel, womit konnte sich Essen bei der Bewerbung um die Titelvergabe Grüne Hauptstadt Europas durchsetzen? 

Wir haben mit unserem Gesamtkonzept gepunktet, bei dem zwölf Themenfelder evaluiert wurden. In einigen Bereichen wie Abfall- und Frischwassermanagement oder Lärmbelästigung sind wir bereits auf den vorderen Plätzen. Beim öffentlichen Nahverkehr gibt es hingegen noch Potential nach oben. Insbesondere das Thema »von grau zu grün« fand großen Anklang bei der Jury. Dabei geht es darum, dass ein ehemaliger Ort der Schwerindustrie grüne Themen in den Vordergrund stellt und sich dadurch neu präsentiert.

Was erwartet uns im kommenden Jahr der Grünen Hauptstadt Europas? 

Das grüne Thema visualisieren wir als lebenswerte Stadt. Die DNA Essens war schon immer grün. Projekte wie »Neue Wege zum Wasser« (Programm zur Entwicklung von Freiräumen, Anm. d. Red.), machen unsere Stadt noch lebenswerter und dies wollen wir weiterführen. 

Wozu soll die Auszeichnung Ihrer Meinung nach anspornen? 

Zum Einen setzt der Titel den Prozess der Bewusstseinsmachung in Gang: Was haben wir? Wo stehen wir und was können wir noch tun? Auf der anderen Seite wollen wir zum Nachdenken anregen, mit Projekten und Veranstaltungen, die zeigen, dass grünes Denken und Handeln auch Spaß machen kann.

Wie verbessern Freiräume die Lebensqualität? 

Nehmen wir den Krupp Park mit dem Krupp See, der dort entstanden ist. Dieser See wird gespeist aus dem Regenwasser, das beispielsweise von den Dachflächen der ThyssenKrupp Hauptverwaltung gesammelt wird.

Inwiefern funktionieren diese Freiräume auch als Motor für Forschung und Entwicklung im Bereich Umwelttechnik und Stadtentwicklung? 

Ökonomie und Ökologie gehen miteinander Hand in Hand. Es muss teilweise erst etwas Grünes entstehen, damit sich Investoren ansiedeln. Im Krupp Gürtel gegenüber der Essener Innenstadt wurde beispielsweise zuerst die Grünfläche geschaffen und erst danach haben Investoren die Grundstücke gekauft. 

Welche Themenfelder gilt es zu bearbeiten? 

Aus zwölf Themenfeldern haben wir fünf programmatische Cluster gebildet, die der Bevölkerung veranschaulichen sollen worum es geht. Anhand von Beispielen, wie »Meine Wege in der Stadt«, »Mein Leben zwischen den Flüssen«, »Mein Einkauf«, »Mein Grün« und »Meine Zukunft« wollen wir die Themenfelder an den Mann, an die Frau und an die Bürgerinnen und Bürger bringen. Und das werden wir auf Augenhöhe machen, ohne intellektuellen Diskurs und ohne dogmatisch zu sein. 

Wie stellen Sie die Weichen für die Mobilität der Zukunft? 

Wir sind mit allen Essener Mobilitätspartner im ständigen Dialog, denn Netzwerken ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Neben der Stärkung des ÖPNV versuchen wir den alltäglichen Fahrradverkehr zu stärken. Dabei helfen uns auch überregionale Projekte wie der RS1 (Radschnellweg Ruhr, Anm. d. Red), der in 2017 Richtung Bochum verlängert werden soll. 

Auch wurde während der Kulturhauptstadt bereits vieles initiiert, das erst später Früchte getragen hat. Wir vernetzen auf grünen Kick-off Veranstaltungen, säen neues Denken und ernten dann vielleicht in 2018, 2019 oder 2020. Wir wollen kein Event Feuerwerk oder einfach alles grün streichen. Uns geht’s um die nachhaltige Veränderung der Mobilität in der Stadt, um die lebenswerte Stadt!

Welche aktuellen regionalen Projekte begleiten den Titel? 

Wir kooperieren mit der Klimametropole Ruhr und der KlimaExpo NRW. Gemeinschaftlich werden wir am 29. Juli in Brüssel  auftreten und das Thema Klima nach vorne bringen. 

Was ist mit langfristigen Projekten, wie dem Emscher-Umbau? 

Mit dem Emscher-Umbau als zentralen Bestandteil unseres Programms haben wir bei der Bewerbung groß gepunktet. Dass wir uns einen ehemaligen Industriefluss zurückerobern, hat man in Brüssel erst nicht glauben können. Mit der Emschergenossenschaft, die den Fluss renaturiert, arbeiten wir eng zusammen und werden das Thema auch weiter in den Köpfen der Menschen verankern. 

Was ist Ihre grüne Vision? 

Wir wollen Denk- und Projektanstöße geben, die das Ruhrgebiet nachhaltig grün machen. Wenn die Grüne Hauptstadt im Dezember 2017 zu Ende geht, wird die grüne Dekade weitergeführt. In 2018 kommt der Kohleausstieg, 2020 das Ende des Emscherumbaus, 2022 findet die Schlusspräsentation der Klimaexpo statt. Wir sind quasi die Vorreiter von etwas, das nach 2017 noch ein Jahrzehnt im Ruhrgebiet gespielt wird. Und wenn man 2030 zurückblickt, wird man feststellen, dass viele der Standards oder Netzwerke von der Grünen Hauptstadt Europas in 2017 angestoßen wurden! 

Wie schaffen Sie Identifikation? 

Indem wir nicht oberlehrerhaft an das Thema herangehen oder den moralischen Zeigefinger heben, sondern Partizipation und Nachhaltigkeit leben. Wir haben ein dreiteiliges Förderprogramm entworfen, dass die BürgerInnen zum Mitmachen aufgefordert hat. Um auch als Stadtgesellschaft ins Grüne zu kommen, haben wir ein Förderprogramm für Bezirksvertretungen aufgesetzt, um Orte mit Potential neu zu gestalten und zu entwickeln. Bei Großveranstaltungen sorgt ein grünes Veranstaltungsmanagement dafür, dass die Umwelt so wenig wie möglich belastet wird. Wir werden auch hier Vorbild sein. 

Wird es eine Umwelt-Verbände-Initiative geben, die Anspruch und Realität des städtischen Umwelt- und Naturschutzes in Essen gegenüberstellt? 

Ja, es gibt die Essener Initiative »Runder Umwelttisch«. Da sitzt sozusagen das Who is Who der grünen Bewegung. 

War die Titelvergabe eine politische Entscheidung? 

Ich glaube sowas ist immer eine politische Entscheidung. Wenn man sich die Geschichte der Grünen Hauptstädte anguckt … Essen ist zum zweiten Mal eine Modellstadt für Europa. Wir waren es 2010 für Kultur und jetzt sind wir es für die Umweltthemen, weil  unsere erfolgreiche Transformationsgeschichte von einer Kohle- und Stahlstadt zur grünsten Stadt in NRW ein Vorbild ist für viele Städte Europas im Strukturwandel. 

Inwiefern ist der Titel Grüne Hauptstadt Europas ein Imagegewinn für die gesamte Region? 

Das Ruhrgebiet leidet immer noch darunter, dass die Fremdwahrnehmung an den alten Klischees hängt. Keiner denkt daran, dass Essen die drittgrünste Stadt Deutschlands ist. Es ist ein Imagegewinn, dass wir unter der Lupe der Grünen Hauptstadt diese Themen nach vorne bringen und zeigen können, dass wir schon viel weiter sind, als der Rest von Deutschland denkt. 

Interview: Christiane Mihoci

Foto: Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017

Weitere Infos: essengreen.capital



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