von CM am 03.09.2016 in Entertainment

Kay Shanghai, gilt als einer der kreativsten Macher in Essens Nachtleben und diesen Ruf hat er auch der Entwicklung des Hotel Shanghai Essen zu verdanken. Nach 15 Jahren Hotel Shanghai hat Kay Shanghai in Berlin eine Art Frieden in der Musik gefunden …

Foto: Laurence Hofman - laurencehofman.com

Hallo Kay, du hast den ehemaligen Magnet Club, eine Institution des Berliner Konzert-und Nachtlebens, in Musik & Frieden umgetauft, wie kam es dazu?

Es gab in der jüngsten Vergangenheit einfach einen Punkt, an dem ich nach neuen Perspektiven suchte und meinen Wunsch ins Universum geäußert habe … und dieser wurde erhört. Kurz gesagt, es war wie beim Super Mario Spiel, einen Satz machen und auf einmal kommt die nächste Plattform. Ich musste nur noch springen.

Wurde es Zeit für ein neues Level, eine neue Heimat?

Nicht unbedingt. Es ging auch nicht um Berlin, sondern um die erweiterten Möglichkeiten auf einem neuen, riesigen Spielplatz, der mir angeboten worden ist und zu Teilen K.I.Z. gehört, neben Deichkind, eine der bekanntesten HipHop-Formationen hierzulande. Deren Manager Beat Gottwald kam auf mich zu, mit einem Angebot, das zwar sehr überraschend aber auch sehr verlockend war. Vor allem, weil wir im Vorfeld schon immer einen guten Draht zueinander hatten. 

Musik & Frieden – ist der Name Programm?

Der Name leitet sich von Tolstois »Krieg und Frieden« ab und passt in die heutige Zeit, weil Musik & Frieden bzw. Musik & Kunst vieles miteinander versöhnen können. Das zeigen auch kunstpolitische Aktionen, wie die »Ehrenlos«-Party von K.I.Z., welche hier einmal im Monat stattfindet. Dahinter steht eine Haltung, die wir im Hotel Shanghai immer schon gelebt haben. Durch unser Booking, einer damit verbundenen Aussage und dem Ort, der dadurch letztlich geschaffen worden ist. Ich bin politisch und glaube auch, dass mit Lachen und Zuwendung viel Gutes erreicht werden kann. 

Einen Club kann man schlecht aus der Ferne leiten. Planst du einen Umzug in die Hauptstadt? 

Ich werde schon dort sein, das bedeutet wiederum nicht, dass ich hier wegziehen werde. Erst Ende Juli haben wir im Hotel Shanghai Abschied gefeiert und sind mit dem Statement »Kay Shanghai says Good-Bye« raus, weil die Berliner Neuigkeit bereits die Runde machte. Anstatt dass die Leute sich mit mir freuten, kam es mir an diesem Abend allerdings so vor, als würde ich meiner eigenen Beerdigung beiwohnen, auch bedingt durch Kommentare bei Facebook. Es fehlte nur noch der Satz »Ruhe in Frieden«. Auf der anderen Seite war es auch schön und hat gezeigt, wie sehr die Leute sich mit dem Hotel Shanghai verbunden fühlen. Ich denke, dass darum eher eine gewisse Traurigkeit vorherrschte, als allgemeine Freude darüber, dass einer von uns nach Berlin geht um die Hauptstadt zu rocken.

Kay Shanghai says Good-Bye klingt schon sehr nach Tearjerker …

Das war auch ein bisschen beabsichtigt und damit haben wir natürlich gespielt. Dabei ist doch genau das Gegenteil der Fall! Besucher des Essener Clubs können mich jetzt sowohl in meinem neuen Club in Berlin besuchen kommen, als auch im Hotel Shanghai. Zudem birgt die Neuerung für das Shanghai viel mehr Möglichkeiten, weil wir für Berlin und Essen ganz andere Bands und Acts verpflichten können.

Hast du nicht mal gesagt: Berlin kann jeder, Essen muss man wollen?

Du beziehst dich auf ein anderes Zitat von mir, auf das sich zur Zeit Alle stürzen. In der Zeitung stand damals, ich hätte gesagt: »Berlin ist für Anfänger«. Das ist der Satz, der aktuell transportiert wird. Deswegen gehe ich jetzt auch nach Berlin. Ich meine, was ist denn daran nicht zu verstehen? Berlin ist für Anfänger. Dann trifft das auch auf mich zu, weil ich dort ein »absolute beginner« bin.

Nach 15 Jahren Hotel Shanghai?

Es muss sich für mich immer wieder wie das erste Mal anfühlen, sonst mache ich etwas falsch. Bevor eine Show losgeht, bin ich auch heute noch sehr aufgeregt. Früher war es sogar noch unerträglicher. Ich erinnere mich an mein erstes Jahr, als ich Backstage mit Deichkind war und auf einmal erhöhte Temperatur bekam – wenn auch nur für diesen kurzen Moment – und das obwohl ich noch nicht einmal mit auf die Bühne musste. Aber alles lag und liegt nach wie vor in meiner Verantwortung, auch die Art der Inszenierung … und wie ein Regisseur fiebere ich auch heute noch mit. 

Wie sieht dein zukünftiger Arbeitsalltag zwischen Essen und Berlin aus?

Das ist alles getaktet. Von Dienstagabend bis Freitagnacht bin ich in Berlin. Samstag nehme ich dann den Zug, um abends bei meiner Veranstaltung in Essen zu sein und habe dann noch zwei, drei Tage hier in meiner Heimatstadt.

Es ist nicht zu leugnen, dass die Clubs zu kämpfen haben. So stand letztens in einer Zeitung geschrieben, dass Techno vor allem von Leuten zwischen 25 bis 49 Jahren gehört wird. Die Jugend steht auf HipHop. Wie erlebst du das im Hotel Shanghai? 

Den Leuten fällt vielleicht erst jetzt verstärkt auf, dass wir viel HipHop machen und immer schon gemacht haben, auch ein bisschen weiter gestreut. Es passiert zur Zeit viel in diesem Segment. Wir haben auch immer schon Techno gespielt aber Techno war schon vor fünf Jahren tot. Klar gibt es da wenige Acts, die jedes Jahr vorbeikommen und dann ganz gerne nur bei uns residieren. 

Und wenn die Kollegen Probleme haben, liegt es vielleicht eher daran, dass sie komplett auf den Dancefloor abzielen und das machen wir schon lange nicht mehr. Wir veranstalten Konzerte, seitdem es das Hotel Shanghai gibt. In letzter Zeit auch sehr erfolgreich unter der Woche, mit Acts, wie Wanda oder demnächst Stabil Elite aus Düsseldorf. Daneben gibt es natürlich die Künstler, die uns nach acht Jahren wieder besuchen und mittlerweile auf den großen Festivalbühnen zuhause sind, wie zuletzt Boys Noize, der uns Ende des Jahres erneut beehren wird. Genauso wie Frittenbude, die ebenfalls im Dezember vorbeischauen. Daneben präsentieren wir mit Fatoni oder MC Bomber weitere tolle Acts in Essen.

Wie ist denn die Szene in Berlin?

Sehr unfreundlich, das ist mir schon vor Jahren in den Bars aufgefallen. Im Musik & Frieden wird »zueinander nett sein« darum oberste Priorität haben, was für Berlin geradezu progressiv sein dürfte. Genau wie im Essener Club, strebe ich dort eine gewisse familiäre Struktur an, innerhalb derer die Leute aufeinander Acht geben – zumindest was meinen Einflussbereich angeht. Darum komme ich auch mit ein paar guten Ideen im Gepäck und in einem halben Jahr werden die Leute ganz sicher anders denken und fühlen.

Erzähl doch mal …

Wir werden viele Konzerte veranstalten, mitunter auch mehrere an einem Abend. Zudem ist Radio Fritz im Haus. Es wird also viel passieren. Das alles hört sich anstrengender an als es ist. Ich empfinde das auch nicht wirklich als Arbeit, sondern vielmehr als Privileg, verbunden mit einer gewissen Freiheit im Denken.

Ist so das Hotel Shanghai entstanden?

Ja und viel früher meine ersten Parties im AZ Mülheim. Dasselbe Rezept werde ich auch in Berlin anwenden. Ich mache mir im Vorfeld keine konkreten Gedanken über die Formel, sondern verlasse mich auf mein Team. Unsere Zusammenarbeit ist für mich jedes Mal wie ein Treffen unter Freunden und aus diesen Begegnungen entsteht immer wieder Neues. Dadurch dass ich auch viel mit Künstlern aus dem Berliner Underground zusammen arbeite, bin ich dort entsprechend bekannt und muss mich nicht mehr großartig vorstellen. Viele Kollegen aus dem Musikbusiness freuen sich bereits, dass ich in die Hauptstadt komme. In meinem näheren Umfeld merke ich allerdings, wie es die Leute korrumpiert.

Wie gehst du damit um?

Man muss das Spiel zu spielen wissen. In meinem Privatleben ist es manchmal nicht ganz so einfach. Dabei hege ich immer die Hoffnung, dass die zwischenmenschliche Komponente etwas mehr wiegt, als ein Stück Kuchen vom Ruhm. Mitunter wundere ich mich auch, wie krumm die Leute sich machen und wie verdreht es werden kann, weil es auf der anderen Seite wiederum bedeutet, dass ich es nicht mit einer normalen Person zu tun habe. Mit Sicherheit hat das auch seine Spuren bei mir hinterlassen und vielleicht ist das auch der Grund warum ich in einer größeren Stadt besser aufgehoben bin.

Interview: Christiane Mihoci 

Hotel Shanghai Steeler Straße 33, 45127 Essen 

Weitere Infos: hotelshanghai.de