von CM am 31.01.2017 in Entertainment

Der Karneval ist in der öffentlichen Wahrnehmung mit allerlei Klischees beladen, dabei geht es nicht nur um bierseliges feiern. Wir sprachen mit Volker Saßen, 1. Vorsitzender beim Essener Karnevals-Verein …

Volker Saßen, 1. Vorsitzender beim Essener Karnevals-Verein

Der Karneval ist in der öffentlichen Wahrnehmung mit allerlei Klischees beladen, dabei geht es nicht nur um bierseliges feiern. Allein der Essener Karnevalsverein (EKV) hat außerhalb der fünften Jahreszeit rund 150 Termine im Jahr, viele davon in Altenheimen und Einrichtungen für Kinder. Wir sprachen mit Volker Saßen, 1. Vorsitzender beim Essener Karnevals-Verein und Festkomitee Essener Karneval (FEK) über den karnevalistischen Geist und heimatliches Brauchtum. 

Herr Saßen, ehrenamtliches und soziales Engagement ist Herzensangelegenheit und eigentlicher Sinn der Regentschaft jedes Prinzenpaar. Wem gilt Ihre Unterstützung besonders?

In erster Linie unterstützen wir die Jugendarbeit. Im Falle der Kinderprinzenpaare stellen wir - vom Essener Karnevalsverein - deren Leibgarde und begleiten das Essener Stadtprinzenpaar zu allen Terminen. In der Regel sind das vor allem Sozialtermine in Kindergärten, Seniorenheimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Damit entlasten wir auch den organisierenden Dachverband, das Festkomitee Essener Karneval.

Daneben ist der EKV auch beim Rü Fest vertreten …

Wir legen seit vielen Jahren großen Wert auf eine erfolgreiche Jugendarbeit. Deshalb haben wir inzwischen auch einige Tanzgarden, denen wir außerhalb der närrischen Zeit die Gelegenheit bieten wollten, vor Publikum zu tanzen. Auf unserer Bühne beim Rü Fest, oben an der Flora, wird aber nicht nur der klassische Gardemarsch performt, sondern auch Folklore oder moderner Tanz neben Schlagern und Karnevalsmusik.

2015/16 hieß es »Tradition verpflichtet«. Wie lautet das Motto der diesjährigen Session? 

Unser Wahlspruch lautet »Essen is im Pott«, wobei man das Wortspiel natürlich auch doppeldeutig betrachten kann. Zum einen bildhaft – in Form von Speisen und zum anderen  liegt unsere Heimatstadt im Herzen des Ruhrgebiets. Außerdem zählen wir mit unserer Brauchtumspflege zur Kulturlandschaft und somit auch zum Pott.

Was zeichnet den Ruhr-Karneval aus?

Der Ruhr-Karneval kann sich natürlich nicht mit dem rheinischen Karneval vergleichen. Im Gegensatz zu uns ist der Rheinländer beim Präsentationsabend ein langes, sechsstündiges Programm gewohnt. Dort kann ein Dreigestirn auch noch nach Mitternacht auf die Bühne gehen.

Der Ruhri tickt ein bisschen anders und schätzt eher ein schönes dreistündiges Programm und möchte im Anschluss mit Freunden feiern. Darauf versuchen wir einzugehen mit unserer Programmveranstaltung »EKV-Volkskarneval« in der Grugahalle, zu der wir alljährlich am Freitag vor Rosenmontag einladen.

Wie lauten die Programmpunkte des 43. EKV-Volkskarneval?

Der 43. Volkskarneval bietet wie gewohnt ein buntes und kurzweiliges Programm. Zum Einen tanzt natürlich das Garde Corps Assindia vom EKV, das in dieser Session seit über 60 Jahren besteht. Im Anschluss steigt die große After-Show-Party und lädt zum Weiterfeiern ein!

Die Geschichte des Karneval an Rhein und Ruhr reicht bis ins Jahr 1341 zurück. Gibt es Konzepte um den Bereich der Jugendarbeit im EKV nachhaltig zu beleben?

Die Jugend sprechen wir vor allem über unsere Tanzgarden an. Von daher versuchen wir die Förderung in diesem Bereich entsprechend zu intensivieren, was nicht ganz einfach ist, weil wir nicht in einem einzigen Stadtteil verankert sind - wie z.B. die KG Hahnekopp aus Frohnhausen - sondern vielmehr über das gesamte Stadtgebiet agieren.

Mit welchen Aktionen trägt der EKV außer-dem dazu bei, das Brauchtum mit Leben zu füllen?

Natürlich versuchen wir auch ganzjährig etwas für Vereinsmitglieder auf die Beine zu stellen, denn Karneval ist nicht nur diese drei tollen Tage. Nach Aschermittwoch startet bereits das Tanztraining für Auftritte während der Sommerzeit und die kommende Session. Die Uniformen werden allerdings erst zum 11.11. wieder hervor geholt. Das bedeutet aber nicht, das in der Zwischenzeit keine karnevalistischen Aktivitäten stattfinden, wie z.B. die Teilnahme am Rü Fest. Darüber hinaus veranstalten wir Vereinsfeste sowie Förderabende für unsere Tanzgarden, die außerhalb der Session stattfinden. Ein Karnevalsloch existiert bei uns also nicht.

Wie behalten Sie den Spaß an der Sache?

Wenn man sich ein Hobby aussucht, sollte man natürlich auch Spaß daran haben. Bei dem einen ist es die Kaninchenzucht, bei mir ist es der Karneval. Viele glauben, wir Karnevalisten müssten auf Knopfdruck fröhlich sein. Dieses Argument lasse ich so nicht gerne gelten, denn wir planen unsere Sache ganzjährig. Wenn nach arbeitsintensiver Vorbereitung die Veranstaltungen dann endlich anstehen, sind das natürlich Momente, die uns mit Freude erfüllen.

2013 hat die UNESCO den Karneval als immaterielles Kulturgut in ihrer Liste für besonders schützenswerte Bräuche und Künste aufgenommen. Was änderte sich dadurch?

In Essen hat sich deswegen nicht viel geändert, weil nur das Rheinland bzw. der rheinische Karneval aufgenommen worden sind, allerdings nur die Städte Köln, Düsseldorf,  Aachen und Bonn. Als 1. Vorsitzender beim EKV und FEK kann ich nur für Essen sprechen und wo genau die regionalen Unterschiede gemacht werden, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Hier im Ruhrgebiet wird eben anders gefeiert als beim rheinischen Karneval, nicht schlechter sondern nur anders. 

Gleichwohl wird es immer schwieriger Unterstützung finanzieller Art für den Essener Karneval zu bekommen. Allerdings haben wir mit Thomas Kufen einen Oberbürgermeister, der auch vor seinem Amtsantritt im Essener Karneval unterwegs war und ist. Von daher haben wir Unterstützung seitens der Stadt, wie wir sie uns besser nicht wünschen könnten. Denn allein über die Beiträge der Mitglieder könnten wir den Karneval nie finanzieren, nicht wenn wir das Brauchtum so betreiben wollen, wie wir es im Essener Karnevalsverein tun: Ob Wagenbau, Uniformen für die Tanzgarde oder das Programm beim Essener Volkskarneval – das ganze Projekt ist mit enormen Kosten verbunden, welche im Laufe des Jahres anfallen und über Sponsorengelder finanziert werden müssen.

Wie wollen Sie das närrische Brauchtum den Essenern näher bringen?

Es wird immer Leute geben, die den Karneval grundsätzlich ablehnen. Genauso gibt es Menschen die Karneval feiern und sei es nur im Vereinsheim. Den organisierten Karneval als aktives Mitglied mit zu gestalten, wollen dabei leider die wenigsten. Dabei kommen allein zum Rosenmontagszug in Rüttenscheid bis zu 80.000 Besucher. Dass die Veranstaltung im Vorfeld entsprechend organisiert werden muss steht also außer Frage. Hier sind aktive Karnevalisten gefragt und gefordert, dies für die Bürgerinnen und Bürger zu tun. Ob Rüttenscheid, Kupferdreh oder Kettwig – die Essener Rosenmontagszüge erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Von daher können wir so ganz viel nicht verkehrt gemacht haben.

Tradition und Moderne gehen mittlerweile Hand in Hand, wie erleben Sie das im Essener Karneval?

Der moderne Karneval wird sicherlich anders gefeiert als früher. Darum versuchen wir die Ideen unserer Jugend stets einzubeziehen, was sich u.a. zeigt bei Musikauswahl und Planung von Festen oder Veranstaltungen. Genau dieses generationsübergreifende Zusammenspiel ist, was wir anstreben. Meiner Erfahrung nach ist Karneval ein Hobby für die ganze Familie, bei welchem die einzelnen Mitglieder einander aktiv erleben können und genau das ist das Schöne am Karneval.


Interview: Christiane Mihoci


43. EKV-Volkskarneval

24.02.2017 - Grugahalle Essen

Weitere Infos: ekv-essen.de