Dr. Claudio Schlegtendal - Mitorganisator Tour de Rü

Chirurg und Rallye-Pilot aus Leidenschaft

Von CM in Entertainment am 24.03.2018

Zum 15. Mal geht am Samstag, 21. April, die Tour de Rü an den Start. Längst hat sich die Oldtimer-Ausfahrt mit mehr als 140 PKWs und zehn Motorrädern weit über Essens Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Wir befragten Mitorganisator Claudio Schlegtendal.

Fotos: Interessengemeinschaft Rüttenscheid e.V.

Zum 15. Mal geht am Samstag, 21. April, die Tour de Rü an den Start. Längst hat sich die Oldtimer-Ausfahrt mit mehr als 140 PKWs und zehn Motorrädern weit über Essens Grenzen hinaus einen Namen gemacht: nicht zuletzt, weil die Baujahrgrenze bei 1965 liegt und mittlerweile eine eigene Kommission abstimmt, wer von der langen Warteliste ins Teilnehmerfeld rutscht. Damit soll garantiert werden, möglichst viele außergewöhnliche Schätze auf vier bzw. zwei Rädern zu sehen zu bekommen. Wir befragten Mitorganisator Claudio Schlegtendal.

Hallo Dr. Schlegtendal, Sie sind Chirurg und arbeiten als Senior-Consult im St. Josef Krankenhaus in Essen-Werden. Außerdem sind Sie begeisterter Rallye-Sportler und Mitorganisator der Tour de Rü. Wie kam es dazu?

Alles begann vor vielen Jahren im OP mit einem Anruf vom Altmeister der Rüttenscheider Gastro-Szene Hannes Schmitz, der mich darum bat eine Rüttenscheider Oldtimer-Ausfahrt zu erarbeiten. Dabei vertrat er die feste Meinung dass ich, als erfahrener Fahrer und Organisator diverser Rallyes, genau der Richtige dafür bin. Da ich Freunden nur ungern widerspreche, fiel mit dem Telefonat auch zeitgleich der Startschuss für die Tour de Rü. 

Was verbindet das chirurgische Handwerk mit der Kartierung einer Ralleystrecke?  

Ich denke, das Fi­li­g­rane verbindet die beiden komplett unterschiedlichen Tätigkeiten miteinander. Bei einer Operation ist die Planung entscheidend, genau wie bei der Entwicklung und Ausarbeitung einer Strecke. Hier bedarf es ebenso größter Sorgfalt und man sollte das Ziel immer vor Augen haben. Dabei trifft das Sprichwort von Konfuzius buchstäblich zu: Der Weg ist das Ziel!

Warum verzichten Sie bei der Tourplanung bewusst auf GPS-Unterstützung oder Dienste wie Google Maps?

Über Google sind nicht alle landschaftlich reizvollen Wege erkennbar. Hinzu kommt natürlich, dass auch ich ein Oldie bin und mich lieber auf eine Karte im Maßstab von 1:50000 verlasse als auf Digitaltechnik; Im Gegensatz zu meinem Partner Dr. Krane, der beim gemeinsamen Abfahren der Strecke, damit mehr als gut versorgt ist. Was allerdings auch notwendig ist, da er alle erforderlichen Genehmigungen bei den Ämtern einholt.

Wie viele leidenschaftliche Ärzte scheinen Sie mit wenig Schlaf auszukommen. Wie sonst, wäre es möglich, dass Sie für die jährliche Oldtimer-Rallye nächtelang die genaue Strecke kartieren und morgens wieder am OP-Tisch stehen?

Für die Ausarbeitung der Strecke benötige ich ungefähr ein halbes Jahr. Von der anfänglichen Planung bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Amt ein Zeitlimit setzt. Darauf folgen dann die Nachtschichten, um verlorene Zeit wieder aufholen zu können. Da die Strecke durch landschaftlich reizvolle Gebiete führt, wäre ich tagsüber ohnehin ein Störfaktor für Fußgänger und Radfahrer und deswegen macht es Sinn nach der Arbeit rauszufahren. Ich komme in der Regel erst früh am Morgen heim, dennoch bleibt allemal Zeit zur Erholung, denn ich plane meine Exkursionen selbstverständlich so, dass sie mit großen OPs nicht kollidieren. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz herzlich bedanken bei der Universitätsmedizin Essen und dem St. Josef Krankenhaus in Werden, in dem ich arbeite. Die Geschäftsführung beider Häuser bezeugt großes Verständnis für mein Hobby und das Gelingen dieser renommierten Veranstaltung. Das ist für mich nicht selbstverständlich. 

Wie viele Wagen mit einem Baujahr bis1965 stellen sich der Herausforderung auf der gut 250 Kilometer langen Route?

Wir haben seit 15 Jahren kontinuierlich eine voll besetzte Ausfahrt mit 130 Autos und zehn Motorrädern. Der Tour de Rü Initiator Franz Maag hat diesen Jahrgang zu Beginn vorgegeben und wir halten uns daran. Tradition verpflichtet! Außerdem gibt es mittlerweile so viele andere Veranstaltungen, bei denen Fahrer mit Autos jüngeren Jahrgangs die Möglichkeit zur Teilnahme haben.

Sind Sie neben dem Organisieren auch selbst am Lenkrad aktiv?

Ja, allerdings nicht im Oldtimer, sondern in einem Auto aus dem aktuellen Jahr unseres Hauptsponsors Porsche. Das macht auch Sinn, denn als Planer der Strecke überprüfe ich während der laufenden Veranstaltung die besetzten Posten und kontrolliere das Feld. Das funktioniert erfahrungsgemäß am besten in einem schnellen Auto.

Wo haben die Zuschauer Gelegenheiten sich die Fahrzeuge in Aktion anzusehen?

Eine gute Gelegenheit bietet die Abfahrt am Sheraton Hotel im Stadtgarten um 9 Uhr. Zu diesem Anlass wird auch Oberbürgermeister Thomas Kufen zugegen sein. Danach geht es weiter über die Rü mit dem Ziel Schloss Moyland in Kalkar. Nach dem Mittagessen fahren die Teilnehmer dann - gegen 16:30 Uhr - auf den Parkplatz P2 an der Gruga ein und formieren sich eine Stunde später zum Finale am Hotel Arosa nahe Martinstraße.

Knapp 3.000 Fahrzeuge werden zurzeit allein in Essen als Oldtimer eingestuft. Wie erklären Sie sich das ungebrochene Interesse für Oldtimer?

Oldtimer sind nicht nur schön und wecken nostalgische Gefühle – sie können auch zu einer Investitionsquelle und leidenschaftlichen Hobby werden. Das kann man ja auch daran sehen, wie viele Autos bei der Techno-Classica Essen stehen.

Seit Jahren investieren Sie neben dem Beruf viel Zeit und Energie in die Planung der Tour de Rü. Woran liegt das genau?

Das liegt vor allem an der ungebrochenen Freundschaft zu Dr. Rolf Krane – dem 1. Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Rüttenscheid – der viel für Rüttenscheid tut. Aus diesem Grund will ich ihm bei der Tour de Rü helfend zur Seite stehen, zumal er kein Motorsportler ist, aber der wohl beste »Bürgermeister« von Rüttenscheid.

Interview: Christiane Mihoci








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