Interview mit Arnesa Sisman

10 Jahre Goethebunker

Von CM in Entertainment am 01.04.2017

Diesen Monat feiert der Goethebunker sein zehnjähriges Bestehen. Wir haben Betreiberin Arnesa Sisman befragt …

10 Jahre Goethebunker

Wie schnell die Zeit doch vergeht. Diesen Monat feiert der Goethebunker sein zehnjähriges Bestehen. In den vergangenen Jahren gab es viele gute und einige weniger gute Momente. Wir haben Betreiberin Arnesa Sisman befragt …

Hallo Arnesa, würdest du dich rückwirkend wieder für den Goethebunker entscheiden?

Auch wenn ich in den vergangenen fünf Jahren einige Momente und Situationen erlebt habe, in denen ich mich das selbst gefragt habe, würde ich es sofort wieder tun.

Was waren das für Situationen? 

Verschiedene. Das können auch Kleinigkeiten sein, wie vollgeschmierte Wände im Club oder »mitgenommene« Lampen aus unserem Vorraum. Das ist bereits mehr als dreimal geschehen. Da frage ich mich mittlerweile, ob ich die Lampe nicht besser fest schrauben sollte, damit ich mir den regelmäßigen Lampenkauf in der Diakonie sparen kann. Nicht zu vergessen der Brand vor einem Jahr …

Erzähl doch mal …

Vor dem Brand war ich zwei Wochen in Panama. Nach meiner Rückkehr hatte ich einen Jetlag, konnte die ganze Nacht nicht schlafen und bin schließlich um 6 Uhr morgens aufgestanden, um Vorbereitungen für die Party am Abend zu treffen und dann hat es in dieser Nacht im Goethebunker gebrannt.

Es war drei Uhr nachts und der Bunker war richtig gut besucht. Auf einmal ist Feuer ausgebrochen. Das Klavier im Bereich des Bühneneingangs ist in Brand geraten. 

Zum Glück haben wir das rechtzeitig bemerkt, so dass Niemand zu Schaden kam. Diese Freitagnacht war eine echte Katastrophe. Samstag darauf habe ich mich dann dazu entschlossen, einfach nur stolz auf mein Team zu sein, das mit dafür gesorgt hat, dass alle Gäste geschlossen und in Zweierreihen nach draußen kamen, noch bevor die Feuerwehr eingetroffen ist. Dabei kam ich mir vor wie bei einer Grundschulübung und musste ich in dem Augenblick seltsamerweise an Loriot denken.

Im Nachhinein bin ich einfach mega dankbar, dass Niemand verletzt worden ist und versuche es mit Humor zu nehmen.

Wo findest du deinen Ausgleich zum Clubgeschehen?

Ich bin furchtbar gerne mit Menschen zusammen, sonst würde ich das Clubleben gar nicht aushalten. Ich merke jedoch wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem ich ein paar Geschichten sacken lassen möchte um mich wieder mehr auf mich selbst zu konzentrieren. Wenn ich das spüre, dann ist der richtige Zeitpunkt für die nächste Reise gekommen.

Und sonst?

Ich probiere gerne neue Formate aus. Dass der Goethebunker ein vielfältigeres Konzept fährt, als die meisten Essener Clubs, finde ich darum ganz gut. Natürlich gibt es auch mal eine Veranstaltung, welche aus irgendwelchen Gründen nicht so gut besucht ist – die ich persönlich trotzdem supergut finde.

Veranstaltungsformate wie Bunkernacht oder Speakeasy liegen musikalisch relativ weit auseinander. Gibt es Schnittmengen beim Publikum?

Tatsächlich schaut ein Teil der Leute vorab nicht auf den Veranstaltungskalender sondern kommt einfach, weil die Party im Bunker stattfindet. Mal passt der Freitag, mal der Samstag. Viele von denen finden es auch ganz gut mal was anderes zu sehen. 

Zu der Speakeasy kommen vor allem Gäste, die ich sonst kaum im Bunker treffe, was jedes Mal für Abwechslung sorgt.

Club im Essener Süden – Fluch oder Segen?

Den Standort habe ich nie als besonders wichtig empfunden, weil Besucher von außerhalb ab Essen HBF eigentlich schnell zu uns kommen. Genauso die Leute aus dem näheren Umfeld, wie Banditenbar oder Zweibar, die dann später im Bunker landen. 

Viele Bunkergäste wohnen ohnehin in der näheren Umgebung. Für die ist es natürlich total gut, dass sie die Anreise nicht groß planen müssen, sondern in fünf Minuten zum Bunker rüber spazieren können. Das Auto würden ohnehin alle stehen lassen, wenn sie vorhaben was zu trinken

Was können wir naher Zukunft erwarten?

Demnächst werden Ahmet und ich, mit dem ich die auch Bunkernacht veranstalte ein Label zur gleichnamigen Veranstaltungsreihe starten. Außerdem hat die Bunkernacht-Familie weiteren Zuwachs mit Someone Outside vom Label adore und Vnnn. bekommen. Beide haben schon des öfteren m Bunker aufgelegt und ein gemeinsames Label könnte interessant werden.

Daneben plane ich die zehnte Jahresfeier vom Goethebunker mit Allen, die im Bunkergeschehen involviert sind, was natürlich schwierig ist bei der Anzahl an lokalen Acts. Auflegen werden u.a. Professional Gigolo, Mike Rui, Ahmet und natürlich Casio – leider haben wir dafür »nur« drei Nächte. 

Klingt ein wenig dekadent …

Mir ist es wichtig jedem DJ die Möglichkeit zu geben, mehr als eine Stunde zu spielen und sein Set aufzubauen. Deswegen war das echt ein Hin und Her welche Parties mehr oder weniger kombinierbar sind und welcher DJ an dem Tag auch Zeit hat. Dann ist auch noch Tanz in den Mai und da haben wir uns gedacht: feiern wir doch einfach drei Tage!

Wie wichtig ist die Länge eines Sets für euch?

Das ist es nämlich. Ein gutes Beispiel bietet die Bunkernacht. In unseren Anfängen haben Ahmet und ich jedes Mal drei DJs gebucht – einen Warm Up DJ, den Hauptact und Jemanden für das Closing. Mit der Zeit hat es sich gezeigt, dass der letzte DJ nicht mehr dran gekommen ist, weil der Hauptact gerade in seinem Set aufgeht und die Leute entsprechend mitgehen. Darum haben wir entschieden, dass es wenig Sinn macht weiterhin drei DJs für einen Abend zu buchen, weil der Hauptact ohnehin meist bis Ende spielt. Ob Robag Wruhme, Roman Flügel oder Christian von Âme – alle drei spielen auch immer wieder sechsstündige Sets und sind gern gesehene Gäste im Bunker.

Was gibt’s sonst noch an Neuerungen? 

Momentan selektiere ich meine große Sammlung von lustigen Polaroids um daraus ein Buch gestalten zu lassen. Anfangs waren es ganz normale Polaroids mit Gästen darauf. Anlässlich Halloween hatten wir jedoch einige Pferdemasken gekauft. Die lagen dann bei mir im Büro und wurden total vergessen. Wochen später wollte ich wie immer ein gemeinsames Polaroid mit einem Gast nach seinem Gig machen. An dem Abend hatte ich allerdings ein wenig getrunken und setzte für das Foto einfach die Pferdemaske auf. Seitdem hat sich das Thema Polaroid mit Pferdemaske irgendwie verselbstständigt …

War das Pferd nicht immer schon Teil des Bunkerlogos?

Tatsächlich betrieb »Reitsport Lenartz« hier ein Ladengeschäft, bevor Goethebunker-Gründer Caiso den Club vor zehn Jahren eröffnete. Casi fand deren Pferd vorne auf der Fassade ganz witzig und hat es dann einfach in das Goethebunker Logo mit der Bombe integriert. Ich erinnere mich noch an alte Flyer mit diesem Logo und dem Zusatz: »Goethebunker – sicher feiern«. Letztens wurde das Dach neu gedeckt und bei der Gelegenheit die Fassade gestrichen. Jetzt sieht man die Pferdelogos nur noch vorne und hinten … Darum überlege ich neue Pferde streichen zu lassen um den Zusammenhang wieder herzustellen.

Wie schaut es open air aus?

Dieses Jahr kooperieren wir zum vorerst letzten Mal mit der Ruhrtriennale. Unabhängig davon gibt‘s am 1. April ein Symposium. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung, die im Rahmen der Ruhrtriennale im Bunker stattfinden wird. Im Anschluss spielt der DJ und Produzent Barnt.

Finden durch die Kollaboration mit der Ruhrtriennale neue Gäste in den Goethebunker?

Natürlich sind einige Leute dadurch auf den Bunker aufmerksam geworden. Ich finde es auch jedes Mal ganz cool vor der Bühne unter dem Wasserturm an der Jahrhunderthalle in Bochum zu stehen und gemeinsam mit Leuten zu tanzen, die bislang wenig mit elektronischer Musik in Berührung gekommen sind und sich zum ersten Mal darauf einlassen. Umgekehrt sind auch viele junge Leute wegen »Ritournelle« zur Ruhrtriennale gekommen. Ich denke die Zusammenarbeit hat beiden Seiten etwas gebracht.

Könntet ihr euch nach Open Airs im Schöner Alfred und Zollverein theoretisch vorstellen in eine andere Open Air Location zu wechseln, die passende Rahmenbedingungen bietet? 

Der Wunschgedanke ist da und mir würde es reichen, wenn open air einmal im Jahr etwas stattfindet. Nach Schöner Alfred bzw Westend und Zollverein könnten wir uns vorstellen in den Essener Norden zu gehen um dort eine Open Air Reihe zu etablieren. Dabei betrachte ich das Vorhaben auch als eine Art Experiment um zu schauen, ob wir die Leute mobilisieren können und dort hinbekommen. 

Zum Geburtstag hast du viele Pferdegeschenke bekommen, was steckt dahinter?

Nicht wenige glauben tatsächlich ich sei ein Pferdefan. Das Gerücht ist vermutlich aus den Polaroidaufnahmen entstanden, auf denen ich immer die Pferdemaske trage.

Viele Leute sprechen mich auch darauf an, ob ich eine besondere Vorliebe für Pferde hege oder schenken mir kuriosen Pferdekitsch. Dabei hat meine Pferdemaske auf den Polaroids ausschließlich mit dem Logo vom Goethebunker zu tun. Mittlerweile habe ich mein Wohnzimmer völlig mit dem geschenkten Pferdekram dekoriert. Vielleicht sollte ich im Goethebunker eine Pferdedekostation installieren. Wenn Jemand im Besitz einer Pferdefigur ist, bringt sie in den Bunker, ich hätte gerne ein Foto.

Interview: Christiane Mihoci

Foto: Sabrina Karakatsanis

28.04. - 30.04.2017 - 10 Jahre Goethebunker

Weitere Infos: goethebunker.de



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