GOP-Varieté fürchtet um Existenz

3. Mai 2020
Lisa M. Engel © offguide

Die laufenden Kosten greifen die Rücklagen an: Das Essener GOP-Varieté-Theater fürchtet um seine Existenz, wenn es keine Hilfe bekommt. Das Team hat ein Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet.

Die Verantwortlichen des GOP-Varieté-Theaters in Essen schlagen Alarm. Die Einrichtung in dem ehemaligen Essener UFA-Kino »Grand Filmpalast« fürchtet aufgrund der Corona-Krise um ihre Existenz. »Als privates Unternehmen erhalten wir auch keine öffentliche Kulturförderung«, bedauert Nadine Stöckmann, Direktorin des GOP. Seit März ist das Theater per Erlass geschlossen, wie alle Spielstätten in Essen.

Auch wenn die vertraglichen Verpflichtungen für Pacht, Energieversorgung oder Versicherungen reduziert wurden, greifen die enormen laufenden Kosten die Rücklagen an, so Stöckmann. Mit ihrem Team hat die GOP-Direktorin aus diesem Grund ein mehrseitiges Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet, welches zahlreiche Maßnahmen wie eine gesteuerte Einlasssituation, reduzierte Sitzplätze oder höhere Reinigungsintervalle vorsieht. »Der Kontakt von Gästen und Mitarbeitern soll dadurch auf das notwendige Minimum reduziert werden«, so Stöckmann.

Seit Oktober 1996 gehört das GOP-Varieté-Theater zur Essener Kulturszene und zieht nach eigenen Angaben jährlich mehr als 800.000 Gäste an. Von den 90 Mitarbeitern, der Großteil in Voll- oder Teilzeit, sind derzeit alle zu 100 Prozent in Kurzarbeit. Ausnahmen sind die Auszubildenden, die nicht davon betroffen sind. Für Minijobber und 450-Euro-Kräfte fällt das Einkommen komplett weg. Deswegen sei es das Ziel, in reduziertem Umfang wieder zu öffnen.

Nadine Stöckmann © GOP

Mit knapp der Hälfte der Gäste – 55 Prozent der Sitze – könnten laut Stöckmann die Abstands- und Hygieneregeln bei Shows eingehalten werden. Der Verlust der »verkleinerten Wiedereröffnung« wäre für das Theater auf jeden Fall geringer als wenn es komplett geschlossen habe, begründet die Direktorin die Pläne. So könne man möglichst viele Angestellte aus der Kurzarbeit zurückholen. »Zudem haben wir auch eine Verantwortung gegenüber den Künstlern und Artisten«, so Stöckmann. Die Bühnenakteure arbeiten alle als Honorarkräfte, erhalten somit also kein Kurzarbeitergeld.

Die aktuelle Show »Funky Town«, die bis zum 10. Mai laufen sollte, wird es nicht mehr zu sehen geben. Etwas Hoffnung hat das GOP-Team für die nächste Produktion »WET – the show« ab Frühling/Sommer. Falls das Varieté also wieder Programm zeigen kann, soll es im Theatersaal klare Regeln geben. Die Tische werden auseinander gezogen, und es sollen lediglich Personen zusammen sitzen, die einem gemeinsamen Haushalt angehören. Speisen und Getränke sollen über ein gesondertes Verfahren serviert werden.

Und auf die bislang übliche Pause wird verzichtet, stattdessen soll die Show auf 90 Minuten begrenzt werden, sodass es nicht zu kleineren Ansammlungen, Bewegungen oder gar Gedränge vor und in den Toiletten kommt. Zu befürchten sei, dass das Varieté-Theater bei Öffnungsstrategien mit den zumeist öffentlich finanzierten Stadt- und Landestheatern oder der Gastronomie in einen Topf geworfen werde, sagt Nadine Stöckmann. Dabei unterscheiden sich Varieté-Theater in ihrem Konzept sowohl von klassischen Theatern als auch der Gastronomie und könnten die geforderten Abstände und Einhaltung der Hygiene-Vorgaben ohne großen Aufwand umsetzen.

Da es bislang keine Aussagen zu einer möglichen Wiedereröffnung der Varieté-Theater gebe, bittet Nadine Stöckmann um eine dringend benötigte zeitliche Perspektive. Das Hygiene- und Sicherheitskonzept hat sie an alle Verantwortlichen in Politik und Behörden sowie an entsprechende Bundestagsabgeordnete geschickt. Ganz klar dabei sei, dass in jedem Falle der Infektionsschutz oberste Priorität besitze. So hofft und setzt Stöckmann auf eine rasche Wiedereröffnung, »denn sonst«, gibt sie zu bedenken »müssen wir fürchten, dass es im Herbst – ohne öffentliche Unterstützung – keine privaten Varieté-Theater mehr geben wird«.

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