Essener Schallplattenbörse: Interview mit Organisator Ulrich Lauber

28. Oktober 2019

Die Essener Schallplatten-Börse, 1985 von der Agentur Lauber gegründet, ist die größte Veranstaltung ihrer Art in Deutschland und findet nur einmal im Jahr statt. Auch in diesem Jahr kommt die Börse am 3. November nach Essen ins Foyer der Grugahalle. offguide hat mit Ulrich Lauber, dem hauptverantwortlichen Organisator, gesprochen.

Herr Lauber, seit 34 Jahren veranstalten Sie die Schallplatten-Börse bundesweit. Wie kam die Börse nach Essen?

In Essen hat es in den 90er Jahren mit kleineren Börsen im alten Saalbau begonnen. Als dieser dann umgebaut wurde, sind wir Anfang des Jahrtausends in die Grugahalle umgezogen. Dort gibt es optimale und professionelle Voraussetzungen für die Börse. Die Grugahalle ist für Superkonzerte seit Jahrzehnten europaweit bekannt, zum Beispiel die Bravo-Beatles-Blitztournee, 1965. Das hat sehr geholfen, die Börse zu Deutschlands größter zu machen.

Inzwischen ist Musik ganz bequem auf dem Smartphone und Tablet verfügbar. Warum überhaupt Vinyl?

Klar, kann man dank Smartphone, Internet, Tablet überall oder im Kaufhausfahrstuhl Musik hören, das hat nur wenig mit bewusst ausgewählter Musik zu tun, für die man sich Zeit nimmt um sie zu hören. Von Vinyl-Schallplatten kommt hingegen echte Musik, alles andere ist für mich nur eine weitere Datei, die für irgendein Medium verwurstet wird.

Wie kommen Sie als Veranstalter an die Händler?

Seit dem Start mussten wir uns nicht um Aussteller bemühen, die melden sich frühzeitig. Mittlerweile sind wir sogar in der angenehmen Lage auch mal Leute abzuweisen, die nicht so ins Bild passen.

Welche Rolle spielen denn soziale Netzwerke?

Früher gab’s nur Printmedien, Plakate und Flyer. Darauf kann man auch heute noch nicht verzichten. Aber durch die neuen Medien erreichen wir fast alle, die sich hierzulande für Schallplatten interessieren. Insgesamt kommen wir auf 7.000 Facebook Abonnenten und rund 2.000 Follower bei Instagram. Auf unserer Webseite zählen wir 600.000 Klicks, das entspricht 300 Klicks am Tag. Mein Sohn Alexander sorgt darüber hinaus dafür, dass wir im web maximal präsent sind.

Wie sehr Musik-Fan darf man als Käufer oder Verkäufer auf einer Plattenbörse sein?

Bei den Schallplattenbörsen dreht sich alles um Musik, klar ist man da Fan davon. Übrigens auch die Händler.

Woran erkennt man den Mint-Zustand einer Platte, also die höchste Qualitätsstufe einer gebrauchten Platte?

Der Zustand Mint bedeutet, dass sowohl die Schallplatte als auch die Hülle neu oder neuwertig ist. Das trifft fast nur auf Neuerscheinungen und -auflagen zu. Bei gebrauchten Platten hat man das nicht, da muss man Abstriche bei der Erhaltung machen.

Wieviel Feilschen ist erlaubt?

Es gibt keine Festpreise. Die ausgezeichneten Preise der Händler sind ein Angebot, das man annehmen kann oder nicht. Handeln ist angesagt, wenn man viele Platten kauft. Ein Tipp: Nicht unbedingt die Preis runterhandeln sondern fragen ob man eine Platte kostenlos oben drauf kriegt.

Was hat Ihre Leidenschaft für Vinyl entfacht?

Ich war schon immer Musikfan, es begann mit British Beat aus den 60er Jahren. Selbst als die CD aufkam, konnte ich mir nie vorstellen, dass diese Vinylplatten verdrängen könnte.

Auf Plattformen wie Discogs werden manche Platten inzwischen zu vierstelligen Preisen gehandelt. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Das sind Preise, wie sie schon seit Jahrzehnten für Raritäten gehandelt werden. Dicorgs ist nur ein neues Medium. Beim »Oldie-Markt«, einer Zeitschrift in der Platten mittels Aktionen den Besitzer wechseln, werden zuweilen ebenfalls vierstellige Preise für bestimmte Platten aufgerufen und das schon seit gefühlt 50 Jahren. Vinyl-Schallplatten sind halt nicht im Kommen, sie waren noch nie weg.

03.11.2019 |11:00 – 16:00 Uhr | Grugahalle, Foyer | Mehr Infos

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