Der Oldtimer-Papst

30. März 2019

Franz Maag ist Essens bekanntester Autoverwerter, Mitbegründer der Rüttenscheider Oldtimer-Ausfahrt »Tour de Rü« und gilt als Kenner der Youngtimer und Oldtimer Szene. Wir haben dem »Oldtimer-Papst« ein paar Fragen gestellt.

(v.l.n.r.) Franz Maag, Berater der Tour de Rü, Tourplaner Claudio Schlegtendal und Rolf Krane, Vorsitzender IG Rüttenscheid © Lisa M. Engel

Sie sind seit über 50 Jahren in der Autoverwertung tätig. Wieviele Autos wurden unter Ihrer Leitung zerlegt, recycled oder verschrottet?

Pro Jahr haben wir 3.000 Autos in ihre Einzelteile zerlegt. Insgesamt werden es wohl um die 150.000 gewesen sein.

Bei welchen Modellen denken Sie heute, den hätte ich lieber behalten sollen?

Da gab’s einige! Angefangen beim Porsche 356er bis hin zum Mercedes-Benz 190 SL. Einmal habe ich sogar einen 300 SL verschrotten müssen. Sein Besitzer baute einen Unfall damit – ein Totalschaden. Im Prinzip habe ich schon alles verschrottet, auch Alfa Romeo und Ferrari.

Auf der Techno Classica sind sechsstellige Preise für die Ex-Transporter von Volkswagen zur Normalität geworden. Wann platzt die Bulli-Blase?

Bei den Bullis wird die Blase nicht unbedingt platzen, weil es davon nur ein paar Modelle gibt. So ist der T1 Samba mit rundherum 23 Fenstern der wertvollste Bus von VW. Der kann bis zu 150.000 Euro kosten. Das wird auch so bleiben, weil er so selten ist. Später gab es auch Modelle mit 21 beziehungsweise 15 oder 13 Fenstern ringsum. Beim neuen Porsche 911 ist die Blase hingegen schon geplatzt, weil es davon einfach schon Hunderttausende gibt.

Welches Auto hätte man sich früher kaufen sollen?

Zum Beispiel den 300er Mercedes SL mit Flügeltüren, Baujahr ‘67. Damals kosteten die unter 30.000 Mark und niemand hätte ahnen können, dass sie heute eine Million wert sind. Leider weiß man sowas nie im Voraus, sonst hätte sich wohl jeder von uns einen gekauft. Ausschlaggebend ist einfach immer die Stückzahl und dass die Wagen schön sind.

Der Jaguar E ist beispielsweise total unterbewertet weil es davon so viele gibt. Wenn es davon nur 500 Stück gegeben hätte, dann würde er heute das Dreifache wert sein.

Welchen Wagen würden Sie Leuten empfehlen, die sich für Oldtimer mit Wertzuwachs interessieren?

Ein Auto, das in der heutigen Zeit gebaut wird? Schwer zu sagen …

Gebrauchtwagen aus den 70er und 80er Jahren werden immer begehrter. Welcher Youngtimer ist Ihr Favorit?

Mein Favorit ist definitiv Porsche 911, allerdings Baujahr ’65. Die sind heute selten, weil sie früher alle verschrottet wurden. Speziell die Modelle mit dem kurzem Radstand sind sehr begehrt.

Was raten Sie jungen Auto-Fans, die selber schrauben wollen?

Die sollen sich einen Opel Rekord, Manta oder Ascona holen. Alternativ auch einen Audi 80 oder 100. Das sind allesamt Autos, die an Wert nicht einbüßen werden. Ein Klassiker und tolles Auto ist der Ford Capri.

Was ist einer der größten Fehler, den ein Youngtimer-Anfänger machen kann?

Ich rate allen, sich das Auto von unten anschauen. Meistens ist die Unterseite durchgerostet und die Rahmenteile kommen durch. Das kann ein Hobby-Bastler, so ambitioniert er auch sein mag, nicht mehr instand setzen.

04.05.2019 | 16. Rüttenscheider Oldtimer-Ausfahrt | Mehr Infos

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